Lage

Die Lage – Dresden Neustadt – Szene erleben!

Ein buntes Völkchen von Siedlern ließ sich bereits gegen Mitte des 16. Jahrhunderts »auf dem Sande« vor den rechtselbigen Mauern der Dresdener Festung nieder: Handwerker aus Böhmen, Flößer und Holzhändler, Fuhrleute, Gärtner, Schneider und Wäscher und natürlich Gastwirte. Ein Großteil davon: Gestrandete, Flüchtlinge und Andersgläubige. Sie alle trachteten danach, im Abglanz der Residenzstadt, welche unter König August (»dem Starken«, 1670 – 1733) prosperierte wie kaum eine andere Stadt Deutschlands, ihr Glück zu machen.

Bald war der »neue Anbau auf dem Sande« für die Versorgung der Residenz und des Hofes unverzichtbar. Bereits August III. sah sich 1744 genötigt, das Reglement vor den Nordtoren der Festung zu ändern, um Verkehr und Wirtschaft zu regulieren und zu fördern. Landbaumeister Julius Heinrich Schwarze wurde 1747 beauftragt, eine »Conception« zu entwickeln, welche dem wilden Bauen »auf dem Sande« ein Ende bereiten sollte.

Nach seinem Plan wurden die ersten Straßen angelegt, welche zum einen auf die Tore der Festung ausgerichtet waren (etwa die heutige Königsbrücker-, Bautzner-, Kamenzer- und Alaunstraße), oder zur inneren Erschließung des Stadtteils dienen sollten. Die wichtigste Achse dafür war die »Badgasse«, die spätere Louisenstraße.

Sie erschloss den Siedlern den Zugang zu ihrer wichtigsten Lebensader, dem »Prießnitzfluss«, der nicht nur das Wasser für das »Linkesche Bad«, sondern auch für unzählige Wäschereien, Gärtnereien und Brauerein lieferte und dutzende Mühlräder trieb. Die Gärten vieler Siedler dienten den Residenzbewohnern zur Erholung und Erquickung. Bereits gegen Ende des Jahrhunderts nahmen auch zunehmend betuchte Beamte und Adelige ihren Wohnsitz im elbnahen Bereich vor den Festungsmauern. Das Gebiet zwischen Prießnitz und Königsbrücker Straße blieb jedoch den Handwerkern, Gärtnern und Gastwirten vorbehalten.

Lousisenstraße

Lousisenstraße

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatten die Festungsmauern ihre Bedeutung als Verteidigungsanlagen verloren. Die Verschmelzung des »Neuen Anbaus« mit der ehemaligen Festungsstadt war im Interesse der »Altendresdner« und der inzwischen 6.000 Neustädter. Sie erfolgte im letzten Regierungsjahr König Antons im Jahre 1836, der Stadtteil erhielt den Namen Antonstadt. In den darauffolgenden Jahren wuchs die Bevölkerung rasant. Die bis dahin meist als freistehende Gehöfte angelegten Anwesen wuchsen langsam zu geschlossener Bebauung in zwei bis dreigeschossiger Bauweise zusammen.

Am Alaunpark

Am Alaunpark

An der Louisenstraße, auf dem Grundstück 16 (ab 1895 Nr. 31) errichtete der Bürger Johann Georg Schütze ebenfalls ein zweigeschossiges Haus in straßenbegleitender Bauweise. Er richtete im Erdgeschoss eine Bäckerei mit Backhaus im Seitengebäude ein. Diese pachtete im Jahre 1858 ein Bäckermeister Moritz Ziller. Er erwarb das Anwesen im Jahre 1868 von seiner Vermieterin, der »Kleidermacherswitwe« Kruppinger.

Die Bäckerei muss ein gutes Geschäft gewesen sein, denn bereits im Jahre 1871 setzte Moritz Ziller sich zur Ruhe, verpachtete die Bäckerei und wohnte bis nach der Jahrhundertwende als Privatier im ersten Stock. Gegen 1890 hatte er noch ein Gartenhaus im hinteren Teil des Grundstücks mit zwei weiteren Wohnungen errichtet.

Der »goldene Reiter«

Der »goldene Reiter«

Der Bauboom der Gründerzeit ging an dem Anwesen jedoch vorbei. Während in der Nachbarschaft wie in der ganzen inzwischen auch »Äußere Neustadt« genannten Antonstadt, wo an Stelle der alten Siedlungshäuser vier- und fünfstöckige Wohn- und Geschäftshäuser mit prächtigen Fassaden, opulenten Wohnungen und großen Hinterhäusern emporwuchsen, Wasserleitung und Kanalisation gelegt wurde, die Straßenbahn in mehreren Linien durch das Viertel fuhr, wohnte Moritz Ziller im ersten Stock seines Häuschens über der verpachteten Bäckerei. Ehe seine Erben über das Grundstück verfügen konnten, war der Gründerrausch vorbei.

So blieb es dabei, seine Erben verpachteten das Häuschen und Grundstück zu Wohn und Gewerbezwecken für die nächsten Jahrzehnte. In der Zeit zwischen den Weltkriegen war für größere private Bauvorhaben meist kein Kapital verfügbar.

In den Kunsthof-Passagen

In den Kunsthof-Passagen

Während der Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges versank die Residenzstadt in Schutt und Asche. Die Antonstadt blieb in größeren Teilen verschont. Jedoch die prächtigen Gründerzeithäuser an der Kreuzung Louisen-/Alaunstraße zerbarsten durch die Detonation von schweren Luftminen – nicht so das Häuschen des Moritz Ziller – es war möglicherweise zu klein für die Wirkung des Explosionsdrucks. Haus und Grundstück dienten als Zuflucht für Verletzte und Flüchtlinge. Später wurde hier wieder gewohnt und Handwerk betrieben.

Detail in der Louisenstraße

Detail in der Louisenstraße

Unter sozialistischer Misswirtschaft verfiel das Anwesen jedoch zusehends, so wie die gesamte »Äußere Neustadt«. Diesem »Angriff« war das Häuschen nicht gewachsen. Es wurde in den 70er Jahren abgerissen. Eine Produktionsgenossenschaft des Handwerks beanspruchte das Grundstück.

Louisenstraße / Ecke Alaunstraße

Was übrig blieb, ist ein Grundstück im Herzen der Dresdner Neustadt, einem in großen Teilen erhaltenen Gründerzeitviertel (ergänzt durch einige anspruchsvolle Neubauten der letzten Jahre), eine der beliebtesten Wohngegenden der Stadt. Dieses wartet auf künftige Bewohner, ambitionierte Investoren, eine ansprechende Bebauung – gegen die sicher auch Moritz Zille nichts einzuwenden hätte.

Die Firma Villa Nova hat eine Planung für die Bebauung vorgelegt, wer ist dabei?